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Cake day: May 31st, 2024

211.222 Menschen - so viele Personen (mit Hauptwohnsitz) leben aktuell in Rostock. Doch es werden weniger. Laut den Zahlen der neuen Bevölkerungsprognose schrumpft die Hansestadt weiter. Demnach werden im Jahr 2030 rund 209.000 Menschen und 2040 nur noch zirka 207.000 Menschen in Rostock leben. Also in etwa so viele wie im Jahr 2016 und 1973, als die Einwohnerzahlen ebenfalls um die 207.000er-Marke lagen. Aber wieso sinkt die Zahl angesichts der Pläne, neue Wohngebiete zu schaffen, wie dem Warnowquartier oder am Groten Pohl?

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Die Prognose zeige zudem deutliche Veränderungen in der Altersstruktur der Rostocker. Die Bevölkerung altert weiter. So nimmt die Zahl älterer und hochbetagter Menschen laut der Prognose bis 2040 weiter zu, während sich jüngere Altersgruppen schwächer als in früheren Prognosen angenommen entwickeln. „Besonders deutlich fällt der Rückgang bei Kindern im Schul- und Kindergartenalter aus“, so Kunze. Allein bei den 6- bis unter 18-Jährigen wird 2040 mit 15 bis 23 Prozent weniger Einwohnern gerechnet. Bei den Ü80-Jährigen geht die Stadt von einem Zuwachs von etwa vier Prozent aus.

Appell an Passanten: Helfen statt glotzen

Tino Fandrich aus Zerbst in Sachsen-Anhalt hat – gemeinsam mit am Ende drei weiteren Helfern – das Unfallopfer aus der Ostsee gezogen und an Land geschleppt. Jetzt äußert er Kritik gegenüber anderen Strandbesuchern. Die hätten nur zugeschaut, manche auch einfach den Strand verlassen.

„Eigentlich sollte es ein schöner Kurzurlaub mit meinem Sohn werden“, erklärt Tino Fandrich (37). Ein verlängertes Wochenende an der Ostsee. Doch dann wurde der junge Mann aus Zerbst in Sachsen-Anhalt Augenzeuge eines Badeunfalls in Warnemünde – und Ersthelfer: Gemeinsam mit einem weiteren Helfer barg er am Dienstagabend (21. Juli) einen 33-jährigen Mann aus dem Wasser, der wenig später im Krankenhaus starb.

Fandrich: Wer so etwas sieht, muss helfen!

Jetzt, einen Tag später, erhebt Fandrich schwere Vorwürfe gegen andere Strandbesucher: Gemeinsam mit dem zweiten Retter habe er das Unfallopfer aus dem Wasser gezogen und an Land geschleppt. „Das war echt nicht einfach – aber nur zwei Männer sind uns vom Strand entgegengekommen und haben geholfen!“ Andere Passanten hätten nur zugeschaut, manche auch einfach den Strand verlassen. Fandrich appelliert: „Wer so etwas sieht, muss den Leuten helfen!“

Rückblende: Er selbst habe zunächst nur mitbekommen, dass eine Frau im Wasser auffällig laut gerufen habe. Ein Mann in der Nähe sei zu ihr hingeschwommen, sei getaucht, habe ihr etwas gezeigt. „Eine Luftmatratze? Oder etwa einen Arm?“, fragte sich Fandrich.

Dann ging alles ganz schnell: Tino Fandrich habe seinem siebenjährigen Sohn gesagt, dass er auf der Decke am Strand bleiben solle, und sei dann ins Wasser gerannt. „Gleich mit Klamotten!“ Gemeinsam mit dem Mann im Wasser hätten sie dann das Unfallopfer aus der Ostsee gezogen. Aber schon da habe er befürchtet, dass die Aktion kein gutes Ende nehmen werde: Das Unfallopfer „hatte offene Augen, seine Haut war stellenweise blau“.

An Land habe er sich dann mit den drei anderen Helfern – einer davon Rettungssanitäter – mit Herzdruckmassage und Beatmung abgewechselt. Bis dann – „vielleicht nach einer Viertelstunde“ – Polizei und Rettungskräfte eintrafen. „Die haben dann übernommen.“

„Wir haben den ganzen Mittwoch geredet“

Er selbst habe dann am späten Abend gehört, dass das Unfallopfer gestorben sei. Ein Schock! Auch für seinen Sohn, der die ganze Aktion hautnah mitbekommen hat. „Wir haben den ganzen Mittwoch geredet“, erklärt Vater Tino Fandrich. Sein Sohn habe am Anfang viel geweint, wollte nicht mehr an den Strand. Doch mittlerweile sei er wieder „ganz tapfer“.

Unverständlich sei für ihn, warum das gefährliche Areal westlich der Mole nicht besser gesichert, vielleicht sogar abgesperrt sei, kritisiert Fandrich. „Zumal dieser Unfall ja nicht der erste war.“

Am Donnerstag fahren Vater und Sohn wieder nach Hause. Den Hinterbliebenen wünscht Fandrich viel Kraft: „Ich möchte ihnen mein aufrichtiges Beileid aussprechen!“

„Slay it loud!“ Aus tausenden Kehlen und immer wieder ertönte das Motto des 24. Christopher Street Day (CSD) am Samstag, 18. Juli, auf dem Neuen Markt in Rostock. Mit einer politischen Kundgebung, einem fünf Kilometer langen Demonstrationszug durch das Stadtzentrum, einem Hafenfest auf der Haedgehalbinsel und der anschließenden Pride Night im Peter-Weiss-Haus zelebrierten mehr als 6500 Menschen in der Hansestadt den CSD 2026, die größte, regelmäßig stattfindende Demonstration in Mecklenburg-Vorpommern. Mit gleich sieben Fahrzeugen, darunter wieder der Turmwagen der Rostocker Straßenbahn AG mit DJ, und diversen Laufgruppen war der Demozug dieses Mal deutlich stärker als in den vergangenen Jahren.

Auto stürzt am Rostocker Stadthafen in Warnow: Identität der beiden Todesopfer geklärt

Neue Details zum tödlichen Autounfall am Rostocker Stadthafen: Wie die Polizei am Donnerstag (16. Juli) mitteilte, handelt es sich bei den beiden Insassen um ein Rentnerpaar. Der 88-Jährige und die 87-Jährige kämen aus Rostock.

Ihr Auto war am Mittwochnachmittag im Bereich der Haedge-Halbinsel auf Höhe eines Krans ins Wasser gestürzt und innerhalb weniger Minuten gesunken. Taucher bargen zunächst die Leiche der Frau. Als das Auto aus dem Wasser geholt wurde, entdeckten Einsatzkräfte den Mann im Fahrzeug.

Polizei schließt bisher nur Straftat aus

Wie es zu dem Unglück kommen konnte, ist noch unklar. Die Polizei hat ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet, um zu klären, ob es gesundheitliche Probleme gegeben hat. Auch ein möglicher Suizid werde geprüft. Denkbar seien ebenso technische Mängel am Auto. Bereits ausgeschlossen werden könne eine Straftat, so ein Polizeisprecher.

Rund 200 Demonstranten bei sommerlicher Hitze am Samstag (11. Juli) in Rostock: Die AfD protestiert gegen linke Gewalt. Andere Demonstranten stellen sich der Partei in größerer Zahl entgegen.

Rund 200 Menschen haben nach Angaben der Polizei an einer Kundgebung der AfD in Rostock am Samstagnachmittag (11. Juli) teilgenommen. Aufgerufen hatte die Partei zu der Veranstaltung auf dem Neuen Markt unter dem Titel „Linke Gewalt stoppen!“.

Unter den Rednern war der AfD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl im September, Enrico Schult. Zu einer Gegendemonstration des Bündnisses „Rostock nazifrei“ versammelten sich nach Angaben der Polizei rund 300 Teilnehmer. Bis zum Nachmittag blieb es friedlich.

Die Mieten in den 40 größten deutschen Städten sind in den vergangenen zehn Jahren um 51 Prozent gestiegen. Das zeigt eine Erhebung des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) auf Basis von Daten des Marktforschungsinstituts Empirica, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Demnach stiegen beispielsweise in der größten untersuchten Stadt Berlin die Angebotsmieten von im Mittel 8,93 Euro pro Quadratmeter Anfang 2016 auf 15,80 Euro Anfang 2026 (plus 76,9 Prozent). In der zweitgrößten Metropole Hamburg ging es um 54,2 Prozent auf 16,18 Euro nach oben und in München um 51,6 Prozent auf 23,26 Euro. Prozentual besonders stark stiegen die Mieten etwa in Rostock mit 83 Prozent auf im Mittel 11 Euro oder in Lübeck mit 71,3 Prozent auf 12,52 Euro.

Anlässlich bundesweiter Mietenstopp-Aktionstage, die von diesem Freitag bis Sonntag stattfinden, fordert DGB-Vizechef Stefan Körzell energischere politische Schritte. Nötig seien unter anderem mehr Investitionen in den sozialen und öffentlichen Wohnungsbau und schärfere Regeln gegen Mietwucher.

Insbesondere warf Körzell der schwarz-roten Koalition vor, beim Wohngeld kürzen zu wollen. „Damit setzt sie erneut den Rotstift bei den Schwächsten an, anstatt endlich diejenigen stärker in die Verantwortung zu nehmen, die über große Vermögen und Erbschaften verfügen“, sagte er der dpa.

Grün und autofrei: So stellt sich Rostock das neue Warnowquartier vor. Private Autos sollen nicht ohne Weiteres durch die Straßen fahren dürfen. Stattdessen bekommen Fußgänger und Radfahrer Vorrang. Parkplätze vor der Wohnungstür gibt es nicht.

Ute Fischer-Gäde (Grüne), Senatorin für Bau, Klima und Mobilität in Rostock, sieht im Autofrei-Konzept die Stadtplanung der Zukunft.

Auf rund 2000 Anwohner sollen 500 Parkplätze kommen, die in Garagen am Rande des Wohnviertels stehen. Um den Einkauf die letzten Meter zur Wohnung transportieren zu können, werden Anwohnern Lastenräder und Handwagen zur Verfügung gestellt.

Freie Fahrt haben nur Feuerwehr, Rettungswagen, Müllabfuhr, Pflege und Straßenreinigung. Wenn es sich aber nicht um Notfälle handelt, haben Fußgänger und Radfahrer Vorrang auf den Straßen und Fahrzeuge müssen Schritttgeschwindigkeit einhalten.

Archiv

Weil am Wochenende (26. bis 28. Juni) Rekordtemperaturen erwartet werden, warnen Experten vor Gesundheitsgefahren. In Rostock fallen deshalb jetzt gleich mehrere geplante Veranstaltungen aus. Das betrifft auch Fußballfans. Doberaner können aber noch hoffen.

Es wird heiß – und gefährlich: Weil am Freitag und Samstag in Rostock eine Hitzewelle droht, sagt die Hansestadt kurzfristig zahlreiche Veranstaltungen ab. Das betrifft unter anderem den großen Bevölkerungsschutztag, der für Sonnabend am KTC und auf dem Neuen Markt geplant war. Mittwochnachmittag zogen die Verantwortlichen die Reißleine. Und zwar aus genau dem Grund, weshalb die Veranstaltung eigentlich geplant war – zum Schutz der Bevölkerung.

Um die Gesundheit der Teilnehmer und Besucher nicht zu gefährden, wurde entschieden, die Veranstaltung ausfallen zu lassen. Das sei zwar bedauerlich, „der Gesundheitsschutz steht allerdings für die Verantwortlichen im Vordergrund“, heißt es aus dem Brandschutz- und Rettungsamt.

Derzeit gehen die Wettermodelle nämlich davon aus, dass die Temperaturen selbst in küstennahen Bereichen wie der Hansestadt am Sonnabend bis zu 38 Grad Celsius im Schatten betragen werden. Experten raten deshalb, den Aufenthalt im Freien an diesen extrem heißen Tagen auf ein Minimum zu beschränken.

Stadtteilfest sollte der Höhepunkt in Groß Klein werden

Deshalb wurde auch das Stadtteilfest in Groß Klein abgesagt. „Es ist sehr schade, dass es nicht stattfindet. Denn das Fest ist jedes Jahr der Höhepunkt hier im Stadtteil. Aufgrund der Wetterlage halte ich die Entscheidung aber für sehr vernünftig“, sagt der Ortsbeiratsvorsitzende Uwe Michaelis (SPD). Ob und wann die Veranstaltung nachgeholt wird, ist unklar.

Volkssolidarität will später feiern

Weil besonders ältere Menschen unter der extremen Hitze leiden, hat auch die Volkssolidarität ihre für Sonnabend in Reutershagen geplante Feier zum 80. Jubiläum abgesagt. „Die Gesundheit und das Wohlbefinden unserer Gäste, Mitglieder, ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer sowie aller Mitwirkenden haben für uns oberste Priorität“, teilte die Volkssolidarität mit. Ein Nachholtermin soll aber organisiert werden.

Hansa streicht den Strandtag

Der FC Hansa Rostock hatte für Sonnabend eigentlich zum großen Strandtag nach Warnemünde geladen. Doch auch dieses Event wurde am Mittwoch abgesagt – unter anderem aufgrund kaum vorhandener Schattenplätze am Strand.

„Sobald unser Spielplan feststeht und ein passender Termin gefunden ist, informieren wir euch, wann wir den Strandtag nachholen“, erklärte der Koggenclub. Die am Strand geplante Lesung von Autor Marcus Bertram aus seinem Buch „Kaperfahrten 2″ soll weiter stattfinden – allerdings erst später als geplant ab 21 Uhr.

Das von Donnerstag bis Sonntag in Bad Doberan geplante Stadtfest soll laut Bürgermeister Jochen Arenz aber stattfinden. Unter anderem, weil viele der Programmpunkte erst für den Abend geplant sind.

In der Nacht auf vergangenen Donnerstag soll der AfD-Landtagsabgeordnete Michael Meister Opfer eines Anschlags geworden sein. Die AfD verbreitete das Bild eines blutverschmierten T-Shirts. Nun kommt raus: Das hatte Meister zu der Zeit gar nicht an.

Das Bild eines blutverschmierten T-Shirts, das AfD-Spitzenkandidat Enrico Schult (47) in sozialen Medien gepostet hatte, sorgt für Rätselraten – auch bei den Ermittlern der Rostocker Kripo und der Staatsanwaltschaft. Nach dem mutmaßlichen Mordanschlag auf den Landtagsabgeordneten Michael Meister (48) in der vergangenen Woche hatte die AfD das Foto des blutigen T-Shirts verbreitet und die Attacke der Antifa zugeschrieben.

Nun aber kommt raus: Meister hatte das T-Shirt zur Tatzeit überhaupt nicht an. Auch die AfD rückt von ihrer bisherigen Darstellung ab. Die Fraktion im Landtag wehrt sich aber zugleich gegen Vorwürfe, das Bild des T-Shirts sei ein „Fake“.

Ermittlungen wegen versuchten Mordes

Hintergrund: Meister hatte am Mittwochabend gegen 23.45 Uhr den Notruf gewählt, weil zwei Unbekannte versucht haben sollen, ihn vor seinem Zuhause niederzustechen. Sein Notebook im Rucksack auf dem Rücken habe ihn vor Schlimmerem bewahrt. Der Abgeordnete wurde mit einer Verletzung am Arm ins Krankenhaus gebracht.

Die Staatsanwaltschaft stuft die mutmaßliche Attacke als „versuchten Mord“ ein, bestätigte Oberstaatsanwalt Harald Nowack auf OZ-Anfrage.

Bereits am Tag danach liefen umfangreiche Ermittlungsmaßnahmen an: Beamte der Kripo baten Anwohner darum, Bilder ihrer Überwachungskameras auszuhändigen. Zudem wurde – erfolglos – nach einem spitzen Gegenstand gesucht, mit dem Meister angegriffen worden sein soll.

Auch bei der Staatsanwaltschaft löste das Bild des blutverschmierten T-Shirts Verwunderung aus: „Die Kripo hatte den Rucksack, das Notebook und alle Kleidungsstücke, die der Geschädigte an besagtem Abend getragen hat, zur Spurensicherung an sich genommen. Das weiße T-Shirt war nicht dabei“, so Nowack.

Die Ermittler hätten Meister nunmehr darum gebeten, ihnen auch dieses Kleidungsstück auszuhändigen. Das habe er zugesagt. „Der Geschädigte hat auf Nachfrage angegeben, dass er sich mit dem T-Shirt seine Wunde verbunden habe.“

Bereits im Dezember 2021 hatte Meister eine Attacke gegen sich angezeigt. „Die Ermittlungen wurden eingestellt, weil kein Tatverdächtiger ermittelt werden konnte“, so Oberstaatsanwalt Nowack.

AfD: „Das Blut ist echt“

Auch seiner Fraktion verschwieg Meister offenbar, dass er das T-Shirt als Wundverband genutzt hatte. „Diese Information hatten wir nicht, als wir das Bild des T-Shirts verbreitet und den Eindruck erzeugt haben, Michael Meister habe es während der Attacke getragen“, so ein Sprecher der AfD-Fraktion.

Meister habe das T-Shirt aber der Fraktion auf deren Bitte hin vorgelegt: „Wir konnten uns überzeugen, dass es echt ist.“ Denn am Wochenende war in sozialen Medien heftig über die Echtheit des blutigen Shirts diskutiert worden: Mehrere Nutzer wollen das Shirt mit exakt denselben Blutspuren in Billig-Onlineshops entdeckt haben. „Das ist kein Fake. Michael Meister hat sich einen Anwalt genommen und wird gegen die Behauptung, er habe ein gefälschtes Bild verbreitet, vorgehen“, kündigt der Fraktionssprecher an.

Macht die Hansestadt bald der Gastronomie Konkurrenz? – Ja, sagt der Hotel- und Gaststättenverband an der Warnow. Was den Dehoga, aber auch CDU und FDP in der Bürgerschaft aufregt: Das Rathaus prüft, in mehreren Stadtteilen sogenannte „Quartierkantinen“ zu eröffnen.

Die „Mittagsmatrosen“, der stadteigene Essenversorger für Schulen, soll die Restaurants betreiben. Offen für jedermann. Auch in der Innenstadt, direkt am Neuen Markt.

In diesen Stadtteilen sollen Kantinen entstehen

Auslöser der Planungen ist eine Idee der Linken in der Bürgerschaft: Die hatte vom Rathaus gefordert, wieder mehr „Leben“ in die großen Wohnstadtteile zu bringen. Groß Klein, Lichtenhagen, die Südstadt und auch Gehlsdorf würden mehr und mehr zu „Schlafvierteln“. Es fehle an Angeboten vor Ort – an Restaurants und Kneipen, aber auch an Geschäften und Freizeitangeboten.

Das Rathaus sieht das offenbar genauso: „Die Verwaltung prüft, inwiefern sich Quartierkantinen realisieren lassen, um gemeinsam mit den ‚Mittagsmatrosen‘ eine wohnortnahe Versorgung sicherzustellen. Denkbar wäre auch, Schul-Caféterien am Nachmittag temporär als Stadtteilcafés zu nutzen und so neue Orte der Begegnung zu schaffen“, schreibt Oberbürgermeisterin Eva-Maria Kröger (43/ebenfalls Linke) in ihrer Antwort auf den Antrag.

Warum die Stadt „Quartierkantinen“ plant

Auf Nachfrage wird die Stadtverwaltung mehr konkret: „In Rostock gibt es eine erhebliche Anzahl von Menschen, die sich nicht mehr selbst mit warmem Essen versorgen und sich äußerst einseitig ernähren – zum Beispiel mit Tiefkühlpizzen“, sagt Stadtsprecherin Kerstin Kanaa (64). „In vielen Stadtteilen gibt es gar keine kommerziellen Angebote für ein Mittagessen mehr. Mit den ‚Quartierkantinen‘ könnten wir diesen Missstand beseitigen.“

Kanaa betont: Das Angebot werde von der Stadt nicht subventioniert. „Es würden die Gerichte des Schulessens angeboten, vor allem auch zum Mitnehmen.“ In den kommenden Monaten will die Stadt nun – wenn die Bürgerschaft zustimmt – mit Wohnungsgesellschaften über mögliche Standorte sprechen.

CDU: „Planwirtschaftliche Experimente“

Christian Albrecht (37), Fraktionschef der Linken in der Bürgerschaft, ist begeistert: Seine Fraktion wollte eigentlich das Rathaus „nur“ dazu bewegen, mit privaten Unternehmen über neue Angebote zu sprechen. „Wenn die ‚Mittagsmatrosen‘ das nun selbst wollen, ist das mehr als wir uns erhofft hatten. Dass wir uns ernsthaft mit dem Thema ‚Quartierkantinen‘ befassen, ist genau das, was wir wollen für die Menschen in den Stadtteilen.“

Doch der Plan ist bei anderen Fraktionen umstritten: Die CDU beispielsweise spricht bereits von „planwirtschaftlichen Experimenten“: „Wir reden hier nicht mehr über Schulessen, sondern über den Einstieg der Stadt in die flächendeckende Versorgung ganzer Stadtteile. Das ist ein besorgniserregender Rückfall in alte planwirtschaftliche Denkmuster“, sagt CDU-Fraktionschefin Chris Günther.

FDP-Politikerin Julia Pittasch schlägt in eine ähnliche Kerbe: „Wir wollen keinen ‚VEB Gastronomie‘ in Rostock“, sagt sie. „Wer mit Steuergeld eine Großküche aufbaut und anschließend privaten Anbietern Konkurrenz macht, verzerrt den Wettbewerb.“

Eine Kantine auch im Rathaus?

Rostocks Dehoga-Chef Andreas Szabó, Betreiber des Café Käthe und FDP-Mitglied der Bürgerschaft, regt ein anderer Punkt viel mehr auf: Die Stadtverwaltung räumt auf OZ-Anfrage nämlich ein, dass auch in der Innenstadt – im Rathaus – eine neue Kantine entstehen könnte. Sobald der Rathausanbau fertig ist, könnten im „Altbau“ Räume dafür frei werden. Stadtsprecherin Kanaa: „Hierfür werden die entsprechenden Nutzungskonzepte erst noch erstellt.“

Szabó sagt dazu: „Gerade im Rostocker Rathaus erschließt sich mir der Bedarf nicht. Im Gebäude selbst und nur wenige Meter vor der Tür gibt es bereits gastronomische Angebote. Die Stadt sollte private Angebote stärken, statt neue Konkurrenz mit Steuergeld zu schaffen.“

Die Hansestadt Rostock liegt einer Studie zufolge bei der allgemeinen Lebenszufriedenheit seiner Einwohner auf dem letzten Platz von 40 deutschen Großstädten. Mit deutlichem Abstand bilde Rostock erneut das Schlusslicht, heißt es in der Sonderstudie Städteranking 2026 zum «Glücksatlas» der Süddeutschen Klassenlotterie (SKL). Die Hansestadt erreiche beim «Glücksindex» nur 5,80 Punkte. Die «glücklichste Großstadt» liege ebenfalls im Osten und sei Erfurt (7,74 Punkte).