Appell an Passanten: Helfen statt glotzen
Tino Fandrich aus Zerbst in Sachsen-Anhalt hat – gemeinsam mit am Ende drei weiteren Helfern – das Unfallopfer aus der Ostsee gezogen und an Land geschleppt. Jetzt äußert er Kritik gegenüber anderen Strandbesuchern. Die hätten nur zugeschaut, manche auch einfach den Strand verlassen.
„Eigentlich sollte es ein schöner Kurzurlaub mit meinem Sohn werden“, erklärt Tino Fandrich (37). Ein verlängertes Wochenende an der Ostsee. Doch dann wurde der junge Mann aus Zerbst in Sachsen-Anhalt Augenzeuge eines Badeunfalls in Warnemünde – und Ersthelfer: Gemeinsam mit einem weiteren Helfer barg er am Dienstagabend (21. Juli) einen 33-jährigen Mann aus dem Wasser, der wenig später im Krankenhaus starb.
Fandrich: Wer so etwas sieht, muss helfen!
Jetzt, einen Tag später, erhebt Fandrich schwere Vorwürfe gegen andere Strandbesucher: Gemeinsam mit dem zweiten Retter habe er das Unfallopfer aus dem Wasser gezogen und an Land geschleppt. „Das war echt nicht einfach – aber nur zwei Männer sind uns vom Strand entgegengekommen und haben geholfen!“ Andere Passanten hätten nur zugeschaut, manche auch einfach den Strand verlassen. Fandrich appelliert: „Wer so etwas sieht, muss den Leuten helfen!“
Rückblende: Er selbst habe zunächst nur mitbekommen, dass eine Frau im Wasser auffällig laut gerufen habe. Ein Mann in der Nähe sei zu ihr hingeschwommen, sei getaucht, habe ihr etwas gezeigt. „Eine Luftmatratze? Oder etwa einen Arm?“, fragte sich Fandrich.
Dann ging alles ganz schnell: Tino Fandrich habe seinem siebenjährigen Sohn gesagt, dass er auf der Decke am Strand bleiben solle, und sei dann ins Wasser gerannt. „Gleich mit Klamotten!“ Gemeinsam mit dem Mann im Wasser hätten sie dann das Unfallopfer aus der Ostsee gezogen. Aber schon da habe er befürchtet, dass die Aktion kein gutes Ende nehmen werde: Das Unfallopfer „hatte offene Augen, seine Haut war stellenweise blau“.
An Land habe er sich dann mit den drei anderen Helfern – einer davon Rettungssanitäter – mit Herzdruckmassage und Beatmung abgewechselt. Bis dann – „vielleicht nach einer Viertelstunde“ – Polizei und Rettungskräfte eintrafen. „Die haben dann übernommen.“
„Wir haben den ganzen Mittwoch geredet“
Er selbst habe dann am späten Abend gehört, dass das Unfallopfer gestorben sei. Ein Schock! Auch für seinen Sohn, der die ganze Aktion hautnah mitbekommen hat. „Wir haben den ganzen Mittwoch geredet“, erklärt Vater Tino Fandrich. Sein Sohn habe am Anfang viel geweint, wollte nicht mehr an den Strand. Doch mittlerweile sei er wieder „ganz tapfer“.
Unverständlich sei für ihn, warum das gefährliche Areal westlich der Mole nicht besser gesichert, vielleicht sogar abgesperrt sei, kritisiert Fandrich. „Zumal dieser Unfall ja nicht der erste war.“
Am Donnerstag fahren Vater und Sohn wieder nach Hause. Den Hinterbliebenen wünscht Fandrich viel Kraft: „Ich möchte ihnen mein aufrichtiges Beileid aussprechen!“

